Post-Crawford-Spielstand von 4:2 für Claus. Der Würfel ist bereits gegeben und angenommen worden.
Claus ist mit den schwarzen Steinen am Zug und steht vor einer schwierig zu spielenden 5-1.
Zwei Varianten drängen sich auf:
Man spielt den Checker mit der 1 von der Bar ein und nutzt die 5, um weiter am eigenen Homeboard zu bauen.
Das ist die sicherere Variante in Bezug auf mögliche Gammonverluste. Der Anker auf der 1 verhindert zunächst das Schlimmste. Gleichzeitig ist der Zug jedoch unflexibel, bietet wenig Kontakt und geht damit thematisch am eigentlichen Spielplan vorbei.
Da Claus im Rennen hinten liegt, ist Kontakt ein entscheidender Faktor, um die Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen und dadurch mehr Spiele zu gewinnen. Außerdem ist er mit einer Prime-Struktur konfrontiert und möchte daher möglichst an das vorderste Feld der Prime heranrücken, um dort einen Anker zu bilden und nicht zu weit hinten eingeschlossen zu werden.
Fazit zu Variante 1:
Man verliert weniger Gammons – gewinnt aber auch weniger Spiele.
Der von Claus gewählte Zug. Spielt den Checker von der Bar auf der 5 ein:
Diese Variante maximiert den Kontakt und platziert den Checker an der „Edge of the Prime“. Thematisch passt das perfekt zur Stellung: Mehr Druck, mehr Aktivität, mehr Gewinnchancen.
Allerdings kommt das mit einem Preisschild: Auf der 5 ist der Checker ein exponiertes Angriffsziel. Claus besitzt noch keinen Anker, und wenn Barbara mit einen potentiellen Blitzangriff erfolgreich ist, drohen hohe Gammonverluste – und damit im Post-Crawford direkt der Verlust des Matches.
Fazit zu Variante 2:
Mehr Druck, mehr Aktivität, mehr Gewinnchancen bei höherem Risiko
Beim gegebenen Spielstand und angenommenem Würfel zählt nicht nur, ob man verliert, sondern auch, wie man verliert.
Gammonverluste wiegen extrem schwer, da sie das Match entscheiden. Bei einem Verlust ohne Gammon ergibt sich ein Spielstand von 4:4, und es verbleibt eine 50:50-Chance, das Match zu gewinnen. Jeder Gewinn des aktuellen Spiels wiederum gewinnt das Match für Schwarz.
Zusammengefasst bedeutet das: Ein Prozentpunkt mehr Gewinnchance für Schwarz ist genauso wertvoll wie ein Prozentpunkt weniger Gammonverluste.
Jetzt müssen wir „nur“ noch abschätzen, ob man mit dem Bold Play im Vergleich zum Safe Play mehr zusätzliche Spiele gewinnt, als man zusätzliche Gammonverluste riskiert.
Die Analyse zeigt, dass beide Varianten praktisch gleichwertig sind. Mit dem von Claus gewählten Bold Play gewinnt man etwa acht Prozent mehr Spiele, riskiert aber auch ungefähr genauso viele zusätzliche Gammonverluste. Der Unterschied zum besten Zug ist mit −0,014 minimal und liegt unterhalb der Grenze, die als Fehler betrachtet wird.
Im weiteren Spielverlauf jedoch war die Entscheidung für Claus wenig einträglich: Barbara gewann im folgenden Blitzangriff ein Gammon und damit das Match!
Dass beide Varianten gleichwertig sind, liefert auch eine gute Erklärung dafür, warum die Entscheidung so schwer war.
Fazit:
Es war in dieser konkreten Stellung schwer, einen Fehler zu machen, da die offensichtlichen Varianten gleichwertig sind. Gleichzeitig ist jedoch die Abwägung zusätzlicher Spielgewinne gegenüber zusätzlichen Gammonverlusten am Brett extrem schwierig und birgt grundsätzlich ein großes Fehlerpotenzial.
Roll-Out: Beide Varianten sind annäheernd gleichwertig
