Starker Angriff von Barbara - sie zückt den Doppler...

Barbara hat mit den schwarzen Steinen beim Stand von 0–0 gegen Renate eine starke Position erreicht. Mit ihren drei Punkten im Homeboard und insgesamt 11 Checkern in der Zone* droht sie sowohl mit einem Blitzangriff als auch damit, eine Prime zu bauen und Renates letzten Checker einzuschließen.

Renate wiederum hat bislang keinerlei Struktur aufbauen können.

Zudem liegt Barbara im Rennen mit 12 Pips vorne und ist damit Favoritin in allen drei offensiven Spielplänen – Blitz, Prime und Race.

Hat Barbara hier also ein starkes Doppel, und sollte Renate – wie im Spiel geschehen – bereits mit einem Pass aufgeben?

Daumenregel für das Doppeln

Eine grobe Daumenregel besagt, dass man ein Doppel hat, wenn man in zwei der drei offensiven Spielpläne vorne liegt, und dass es für den Gegner ein Pass ist, wenn man in allen drei Spielplänen vorne liegt. Zudem möchte man insbesondere dann doppeln, wenn man eine konkrete Drohung in der Hand hat.

Nach dieser Regel müsste es also ein klares Doppel für Barbara sein und tendenziell ein Pass für Renate.

*Mit „Zone“ ist die Angriffszone gemeint, also der Bereich, in dem ich den Gegner sowohl blitzen als auch primen kann – konkret von Punkt 1 bis 11.

Kontakt

Es gibt jedoch noch einen vierten, eher defensiven Spielplan: Kontakt. Mit Kontakt ist die Chance gemeint, den Gegner noch zu treffen (ihn also auf die Bar zu schicken) und die Stellung dadurch wieder zu drehen.

Grob gesagt ist der Kontakt umso größer,

  • je mehr gegnerische Checker sich noch in Schlagdistanz befinden,

  • je mehr Blots (ungedeckte Steine) der Gegner zeigt,

  • und je schwerer es ihm fällt, seine Checker ohne Treffer nach Hause zu bringen.

In der aktuellen Position sieht man: Barbara hat noch zwei Checker im eigenen Heimfeld. Außerdem zeigt sie insgesamt fünf Blots. Den Midpoint* hat sie ebenfalls nicht mehr.

Damit ergeben sich für Renate zahlreiche Trefferchancen – also viel Kontakt. Barbara wird es ohne sehr präzise Würfe kaum schaffen, sofort alle Blots zu sichern. In den nächsten Zügen muss sie ständig abwägen, ob sie zunächst „aufräumt“ (Blots deckt) oder den Angriff weiter forciert.

Durch diesen starken Kontakt werden Barbaras Angriffspläne deutlich relativiert – die Stellung sollte deshalb mindestens ein Take sein.

*Der Midpoint ist Punkt 13. Er ist ein wichtiger Landepunkt, um die eigenen Checker aus dem Heimfeld in die Zielzone zu bringen. Er stellt die „Konnektivität“ zwischen den eigenen Spielsteinen sicher. Es ist oft hilfreich, den Midpoint zu halten. Die bekannte Regel „Don’t strip the Midpoint“ empfiehlt sogar, mindestens drei Steine auf dem Midpoint zu belassen, um flexibel von dort ziehen zu können, ohne ihn aufzugeben.

Was sagt die Analyse?

Die Analyse bestätigt unsere Annahmen: Die Position ist beim Spielstand 0–0 ein knappes Doppel und ein klares Take.

Barbara gewinnt 63 % der Spiele, und etwa jedes vierte Spiel gewinnt sie mit Gammon.

Daraus ergibt sich eine starke Abhängigkeit vom Matchstand. Bei 1:0 oder 1:1 ist es immer noch ein Double/Take, allerdings bereits deutlich knapper. Bei 1:2 oder 1:3 ist es hingegen ein klares Pass.

Der Grund ist, dass die Gammons für Schwarz in diesen Fällen direkt das Match gewinnen – und dieses Risiko möchte man nicht eingehen, wenn man aktuell im Match noch führt.

Was passiert wenn wir die Stellung leicht verändern?

Unsere Annahme war, dass Renates Kontakt der Grund ist, warum die Stellung noch ein Take ist. Wenn wir die Stellung modifizieren, einen Checker vom 18er-Punkt auf den 13er-Punkt schieben und dadurch einen Blot aufräumen sowie den Midpoint wiederherstellen, reduzieren wir den Kontakt deutlich.

Wie erwartet zeigt die Analyse, dass es dann ein Pass wäre.

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